Spring! Rein ins Urlaubsabenteuer! Nein, ich muss erst noch den Müll runterbringen. Photo by Artem Bali on Unsplash unsplash-logoArtem Bali

Ich freue mich immer riesig auf den Urlaub, aber ich habe auch Angst vor ihm. Der Grund für unsere ambivalente Beziehung: Ich habe das Gefühl, vor dem Start mit allem fertig sein zu müssen. Mit wirklich allem. Nicht nur mit allen offenen Aufträgen, mit allen Texten, mit allen E-Mails. Nein, ich will vorher noch diese schlimme Chaosecke in der Wohnung aufräumen, die Heliumgasflasche für die Ballons von der letzten Hochzeit vor einem halben Jahr zum Wertstoffhof bringen, alle Freunde noch einmal anrufen, alle abonnierten Zeitungen der letzten zwei Wochen noch lesen und endlich alle vertrockneten Blumen vom Balkon beerdigen. Fertig ist am Ende natürlich nichts. Abgesehen von mir selbst.

Selbst Astro-Alex kann auf der Erde Bescheid sagen, wenn er was vergessen hat

Ich habe insgesamt große Schwierigkeiten mit diesem „Nach mir die Sintflut“-Ding. Also haste ich durch meinen Alltag meiner absoluten Entspannung, dem Urlaub, entgegen. Es ist fast so, als hätte ich beschlossen, für zehn Jahre auszuwandern, anstatt sechseinhalb Tage in einem spanischen Küstenort zu verbringen. Dabei könnte selbst Astro-Alex auf der Erde Bescheid sagen, wenn er eine Butterbrotdose in seinem Turnbeutel vergessen hätte, die da jetzt rumgammelt.

Aber entgegen des allgemeinen Trends möchte ich partout keinen Kontakt mit meinem Alltag im Urlaub haben. Deswegen tue ich alles dafür, damit der Alltag sich in dieser heiligen Zeit bloß nicht bei mir meldet. (Weil ich womöglich die Heliumflasche noch nicht zum Wertstoffhof gebracht habe zum Beispiel.)

Entspannung! Jetzt! Sofort!

Meine hohe Erwartung an die Zeit vor dem Urlaub hängt womöglich auch unmittelbar mit meinem Anspruch an die Reise selbst zusammen. Wenn ich vorher sämtliche Energien investiert habe, um meine Vor-Urlaubs-Liste abzuarbeiten, erwarte ich von mir, ab dem Zeitpunkt, in dem ich mich auf dem Weg zum Flughafen mache, mich jetzt bitteschön mal vollkommen zu entspannen. Und zwar jetzt! Sofort!

Natürlich klappt das regelmäßig gar nicht und ich denke auch am Strand in der Hängematte noch darüber nach, wen ich vergessen habe anzurufen, dass ich die Heliumgasflasche jetzt nicht mehr zum Wertstoffhof gebracht habe und ob ich denn wohl immerhin meinen Abwesenheitsassistenten aktiviert habe.

Ein Drittel der Deutschcen arbeitzen bis zur letzten Minute vor dem Urlaub

Vielen Deutschen geht es ähnlich. Einer Studie der Hamburger BAT Stiftung für Zukunftsfragen zufolge starten zwei Drittel aller Reisenden schlagartig und meist mit Stress in den Urlaub. „So geht mehr als jeder dritte Deutsche buchstäblich bis zur letzten Minute seiner alltäglichen Tätigkeit nach und wechselt vom Bürostuhl gleich in den Liegestuhl“, heißt es da. Oh ja.

Die Empfehlung des Studienleiters: Schon drei Tage vor Reisebeginn sollte man den Alltag hinter sich lassen, indem man in den Tagen vor der Abreise später frühstücke, Mittagsschlaf halte oder nachmittags ein Buch lese. Also im Grunde soll man zu Hause so tun, als sei man schon weg. Das hat bei mir noch nie geklappt. Und ich frage mich wirklich, ob irgendjemand das hinkriegt (wenn ja, bitte bei mir melden).

Sie ist auf und davon

Ich versuche mich jetzt in kleinen Schritten an ein bisschen mehr Erholung heranzutasten und habe mir zwei Dinge vorgenommen: 1. Im Alltag mehr Urlaub zu machen. Gerade jetzt im Sommer öfter mal eine Atempause einzulegen und am Rhein in der Sonne sitzen oder durch den Wald zu laufen.

Und 2. Diese Vor-Urlaubs-Liste auf das Allernötigste zu beschränken. Also im Grunde dürfte da nur drauf stehen: Sonnencreme und Badesachen einpacken. Vielleicht klappt das ja mal.

Ich freue mich jedenfalls schon auf den Tag, an dem ich alles stehen und liegen lasse und einfach sagen kann: Ich bin dann mal weg. Und alle anderen nur wissen: Sie ist auf und davon.

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