Kaffeetasse

„Coffee to stay“: Ein Leben ohne Kaffee? Undenkbar. Photo by Dan Gold on Unsplash

Meine langjährige Liebe zu ihm ist nie versiegt. Und das nicht nur, weil er ganz schön heiß ist. Ich fürchte, ohne ihn bin ich nicht ganz ich selbst. Ist er morgens nicht da, gerate ich leicht in Panik.

Kaffee versöhnt micht mit dem Feind, dem Morgen

Kaffee versöhnt mich mit meinem ewigen Feind, dem Morgen. Wir kamen noch nie gut miteinander klar. Er duldet mich und ich ihn – solange Kaffee da ist. Ich verhalte mich dann höflich, bin in der Lage zu kommunizieren und schaffe am Morgen manchmal sogar schon ein Lächeln. Fehlt der Kaffee, ignoriere ich den Morgen, verschlafe ihn, bis endlich von Vormittag die Rede sein kann. Im schlimmsten Fall verfluche ich ihn und er schlägt zurück mit immer früheren Terminen, worauf unser Verhältnis wochenlang gestört ist. Der Waffenstillstand mit dem Morgen ist nur möglich durch ihn, den Kaffee.

Kaffee ist sozusagen mein persönlicher Zaubertrank, mit dem ich die Morgendämonen vertreibe. Er ist aber auch tagsüber, abends und nachts ein treuer Begleiter. Auf seine Wirkung ist Verlass. Und: Ob aus dem Filter oder aus dem Vollautomaten, ob mit Milch oder schwarz – für mich ist er immer ein Genuss. Einzige Ausnahme: der „Kaffee“, den man im Flugzeug bekommt. Der hat den Namen nicht verdient, Heißgetränk mit Pappe-Geschmack würde es eher treffen.

Kaffee schmeckt nach den Gegenden, aus denen er kommt

Heimat des Kaffees in Kolumbien: die „Zona Cafetera“

Heimat des Kaffees in Kolumbien: die „Zona Cafetera“. Foto: Rebecca Erken

Deswegen habe ich – an einem verdammten Morgen – mal fast einen Flieger verpasst. Ich hatte noch keinen Kaffee und wollte keine Pappe trinken. Der Stopp an der nächsten Kaffeebude war unausweichlich. Ich würde aber trotzdem nicht von einem Abhängigkeitsverhältnis sprechen. Als ich in England gearbeitet habe, habe ich auch vier Wochen ohne Kaffee überlebt und bin mit schwarzem Tee fremd gegangen. Es war ok.

Aber Kaffee ist einfach sexyer. Er schmeckt nach den Gegenden, aus denen er kommt. Nach Brasilien, nach Äthiopien, nach Kolumbien. Jeder Schluck, eine Verheißung. Als ich in der kolumbianischen „Zona Cafetera“ die Fair-Trade-Kaffeefarm der sehr beeindruckenden Luz Rojas besucht habe, war mir klar, warum ich ihm, dem Kaffee, schon seit meiner Schulzeit verfallen bin. Wer aus dieser schönen Gegend kommt, der muss einfach großartig sein.

Gibt es Journalisten, die keinen Kaffee trinken?

In meinem Literaturwissenschafts-Studium war ich damals sehr begeistert, als ich erfahren habe, dass die Entstehung der politischen Öffentlichkeit, der Debattenkultur und der Presse als vierter Gewalt auch durch die englische Kaffeehauskultur im 18. Jahrhundert ermöglicht wurde.

Kaffee hat mir also sozusagen auch noch meinen Beruf als Journalistin verschafft. Überhaupt, gibt es Journalisten, die keinen Kaffee trinken? Wir sind ihm wohl alle sehr dankbar und halten die Kaffeeproduktion deswegen am Laufen.

Lieber „Coffee to stay“ anstatt „Coffee to go“

Von „Coffee to go“ halte ich allerdings nicht so viel. Dafür sehr viel von „Coffee to stay“. Wenn ich verreise, muss ich – zum Leidwesen mancher Mitreisender – in sämtlichen berühmten Cafés absteigen, wo angeblich Goethe, Lord Byron, Arthur Schnitzler oder Federico García Lorca schon sehr kluge Gedanken hatten. Ich habe viele Stunden in Kaffeehäusern in Wien, Rom, Venedig, Buenos Aires und vielen anderen Städten verbracht.

Was mein kleines Glück mit dem Kaffee dann noch steigern kann? Kuchen natürlich.

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