Rebecca in Namibia

Fernweh hat so einen melancholischen Beigeschmack, die Sehnsucht nach der nächsten Reise schmerzt im Innern. Foto: Tobias Strohmeier

Ich hatte in meinem Leben nur selten Heimweh, aber sehr oft Fernweh. Gerade nach einem langen grauen Winter in Deutschland überkommt mich die Sehnsucht danach, woanders zu sein. Fernweh ist, wie ich finde, eins der schönsten deutschen Wörter. In vielen Sprachen gibt es keine richtig gute Übersetzung dafür, im Spanischen und Französischen zum Beispiel nicht. Auf Englisch übersetzt man es mit „wanderlust“, aber selbst das trifft es nicht richtig gut, meine ich. Fernweh hat so einen leicht melancholischen Beigeschmack, die Sehnsucht nach der nächsten Reise schmerzt im Innern.

Schon ein seltsames Gefühl, das Sehnen nach einem unbestimmten Ort, den man womöglich gar nicht kennt. Und den man vielleicht auch gar nicht genau definieren kann.

An meinem Fernweh-Ort hat man von Graupelschauer noch nie etwas gehört

An meinem Fernweh-Ort ist es jedenfalls sehr warm, mindestens 25 Grad, die Sonne scheint. Von Graupelschauer und gefrierendem Regen hat man dort noch nie gehört. Da sind nicht viele Menschen, aber ein paar tanzen um ein Lagerfeuer am Strand. Und ich liege in der Hängematte und schaue ihnen zu. Unsere Bucht ist umgeben von einem dichten Dschungel, aus dem manchmal ein Affe schreit. Irgendjemand spielt Gitarre und singt dazu. An dem Ort gibt es das beste Essen direkt vom Grill und sehr guten Wein. Und bevor die Sonne im Meer untergeht, springen wir alle noch einmal in die Wellen und sind plötzlich in der Brandung verschwunden. Dann tauche ich auf und merke: Ich bin doch noch dort, wo der Himmel grau und der nächste Urlaub weit weg ist.

Wie ich die Sehnsucht ein wenig stillen kann

Meistens kann ich meine Sehnsucht zumindest ein wenig stillen, indem ich mich an vergangene Reisen erinnere. An die realen Orte und an die Menschen, die ich dort getroffen habe. Wie die Kogi mich in Kolumbien durch den Dschungel zu ihren Siedlungen führen, wie ich mit den Uruguayos in Montevideo Karneval feiere, wie ich in Mexiko auf eine Maya-Pyramide klettere, wie ich die roten Dünen der Namib, der ältesten Wüste der Welt, in Namibia erklimme, wie ich ehrfürchtig vor den Iguazú-Wasserfällen in Brasilien erstarre, wie ich am Tango-Tanzen in Buenos Aires scheitere, wie ich im andalusischen Ronda Rilke suche und finde oder wie ich am Malecón, der Uferpromenade in Havanna, sitze und möchte, dass dieser Moment für immer bleibt.

Was die schlimmsten Fernweh-Momente lindert

Das lindert die schlimmsten Fernweh-Momente. Was mir auch hilft: Reisen zu planen, an Orte, die ich unbedingt noch sehen will. Ich suche dann günstige Flüge nach Kapstadt, vergleiche mögliche Reise-Routen durch Indien und recherchiere, wo ich in Peru die beste Ceviche essen kann. Auch wenn ich in dem Moment gar keine Zeit oder kein Geld habe, wirklich auf große Fahrt zu gehen.

Alleine das Planen macht mich schon ein bisschen glücklich. Auch wenn ich diese Reisen womöglich nie machen werde – aber vielleicht ja doch.

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