Im Vatikan findet das Gipfeltreffen zum Thema Missbrauch in der katholischen Kirche statt. Papst Franziskus und die Chefs der Bischofskonferenzen der Welt tagen bis Sonntag. Hallelujah.

Vor einiger Zeit gab es eine andere Schlagzeile aus der katholischen Kirche. Im Ausmaß weniger groß und mit Sicherheit von weniger Belang, aber mich hat es trotzdem beschäftigt und verwundert. Es ging darum, dass im Kölner Dom nun auch Frauen als Domschweizerinnen angestellt werden können. Als Frau ist es also ab sofort möglich, sich als Domschweizerin zu bewerben. Und mit dieser Aussage tun sich in meinem Kopf sehr viele Fragen auf. Für alle, die es wie ich nicht wussten, Domschweizer und nun auch Domschweizerinnen sollen für Ruhe und Ordnung in der Kirche sorgen, sind Ansprechpersonen für Besucher*innen, helfen beim Glockenläuten und beim Auf- und Abschließen des Doms sowie beim Entsorgen von abgebrannten Kerzen. Was ich mich frage ist folgendes:

  • Können Frauen wirklich diese Aufgaben übernehmen?
  • Wieso dürfen Frauen jetzt auf einmal als Domschweizerinnen arbeiten wenn dies bisher nicht möglich war?
  • Wer will eigentlich, dass der kirchliche Laiendienst weiblicher und jünger wird und warum?
  • Liegt es daran, dass sich “Frauen und Männer bei diesen Tätigkeiten gut ergänzen”, wie der Dompropst Gerd Bachner es ausdrückt, und vor allem was will er damit sagen?

Was ich eigentlich mit meinen Fragen ausdrücken möchte, ist natürlich mein Unverständnis über diese ganze kuriose Sache. Darüber, dass Frauen bisher kategorisch davon ausgeschlossen wurden, diesen Beruf ausüben zu können. Und darüber, da dies nun möglich ist, dass es eine Nachricht ist, die – wie es wirkt – tatsächlich eine Reaktion erwartet. Etwa ein oooohhhh oder wooooooohoooo oder toooooolllllllll? Wird dafür jetzt ein Dankeschön gewünscht? Von mir kommt keins!

Klar, als Frau lernen es die meisten früh, ja und bitte und danke und Amen zu sagen und dabei total nett zu lächeln. An Freundlichkeit, Höflichkeit und Dankbarkeit ist ja auch grundsäztlich nichts auszusetzen. Aber bitte erwartet keinen Dank für Selbstverständlichkeiten.

Marie Juchacz macht dies in ihrer Rede vor 100 Jahren, als erste Frau in der Weimarer Nationalsversammlung, am 19.2.2019 deutlich:

” Juchacz, Abgeordnete. Meine Herren und Damen! (Heiterkeit). Es ist das erstemal, daß in Deutschland die Frau als Freie und Gleiche im Parlament zum Volke sprechen darf, und ich möchte hier feststellen, und zwar ganz objektiv, daß es die Revolution gewesen ist, die auch in Deutschland die alten Vorurteile überwunden hat. Die Frauen besitzen heute das ihnen zustehende Recht der Staatsbürgerinnen. Gemäß ihrer Weltanschauung konnte und durfte eine vom Volke beauftragte sozialistische Regierung nicht anders handeln, wie sie gehandelt hat. Sie hat getan, was sie tun mußte, als sie bei der Vorbereitung dieser Versammlung die Frauen als gleichberechtigte Staatsbürgerinnen anerkannte.

Ich möchte hier feststellen und glaube damit im Einverständnis vieler zu sprechen, daß wir deutschen Frauen dieser Regierung nicht etwa in dem althergebrachten Sinne Dank schuldig sind. Was diese Regierung getan hat, das war eine Selbstverständlichkeit: sie hat den Frauen gegeben, was ihnen bis dahin zu Unrecht vorenthalten worden ist. “

DANKE Marie Juchacz!

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