Warum fällt uns jetzt auf einmal
Kein einziger mehr ein? (…)
Wo sind all die ganzen Gründe,
Auf dieses Land stolz zu sein?
So sehr wir auch nachdenken
Nichts fällt uns dazu ein.

Was die Toten Hosen schon vor über 30 Jahren sangen, beschäftigt mich heute. Wo sind all die ganzen Gründe? Es ist mit Sicherheit nicht die “totale Pfichterfüllung, Ordnung und Sauberkeit”. Es ist schon viel eher unsere Verfassung! Happy Birthday liebes Grundgesetz. Alles Gute, altes Haus. Wie schön, dass Du geboren bist, wir hätten Dich sonst sehr vermisst. Und da gibt es noch etwas:

Ein Volksbegehren für die Bienen

Die Bayern machen es vor. Ja, ausgerechnet die Bayern: Das bayerische Volksbegehren für die Bienen. Es ist nun schon ein paar Monate her, dass 1,8 Millionen Menschen in den Rathäusern des Freistaats in Listen unterschrieben haben, um dieses Volksbegehren voranzutreiben. Innerhalb von zwei Wochen mussten mindestens 10 Prozent der Bevölkerung unterzeichnen, was zuvor durch eine Unterschriftenliste auf den Weg gebracht wurde. Und das hat geklappt. Anschließend kann der Landtag der geforderten Gesetzesänderung zustimmen, was er in der Regel nicht tut. In diesem Fall aber schon, u. a. um:

  • das Bienensterben zu verhindern,
  • die Artenvielfalt zu schüzten,
  • den Ökolandbau zu verstärken.

Vom Volkswillen zum Gesetz?!

Der Volkswille mündet hier in einem Gesetz! Natürlich gibt es auch Gesetzesgegner. Die CSU gehörte zunächst auch dazu, hat sich aber von den Ideen der Umweltbewegung und der Meinung der Bevölkerung weitestgehend überzeugen lassen. Und es wird sich zeigen wie es in Bayern weitergeht und ob die Unterschriften der Bürger sich auch auf ihr Handeln auswirken wird, z. B. durch den Kauf von Bioprodukten lokaler Erzeuger.

Direkte Demokratie…durch Bildung

Das Beispiel aus Bayern zeigt, wie direkte Demokratie funktionieren kann. Ein Grund, mit ein wenig Stolz erfüllt zu sein. Damit Demokratie gelebt werden kann, braucht es Bildung. Wieder so ein Wort, das alles und nichts heißen kann. Für mich bringt es der Erziehungswissenschaftler Wolfgang Klafki auf den Punkt. Er meint mit Bildung drei Fähigkeiten des Menschen:

1. Die Fähigkeit zur Selbstbestimmung, über eigene Entscheidungen z. B. in Bezug auf Lebensbeziehungen, Aktivitäten und Sinndeutungen in zwischenmenschlicher, beruflicher oder ethischer Art.

2. Die Fähigkeit zur Mitbestimmung, als soziale Qualifikation zur Mitgestaltung der gemeinsamen kulturellen und gesellschaftlichen Verhältnisse.

3. Die Fähigkeit zur Solidarität, als soziale Einstellung, die erforderlich ist, um das Recht auf Selbstbestimmung und Mitbestimmung der Mitmenschen anzuerkennen und praktisch werden zu lassen. Zum Ausdruck kommt dies in einer offenen Gesellschaft vor allem im konstruktiven Umgang mit Unterschieden.

Diese Fähigkeiten kann jeder nur für sich selbst ausbilden. Eine herausfordernde und lohnende Aufgabe. Bildungschancen willkürlich vorzuenthalten widerspricht dem Deutschen Grundgesetz. Punkt.

Quelle: Klafki, Wolfgang (2007): Neu Studien zur Bildungstheorie und Didaktik (6. neu ausgestattete Aufl.). Weinheim; Basel: Beltz.

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