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„Fantastisch!“ So ein Lob habe ich lange nicht mehr bekommen. Dabei habe ich nicht etwa meine Arbeit besonders gut erledigt, jemandem aus der Klemme geholfen oder irgendeine bahnbrechende Entdeckung gemacht.

Nein, ich habe an einer Tankstelle den Druck meiner Autoreifen gemessen. Genauso gut könnte ich schreiben: Ich habe den Müll runtergebracht.

„Reifendruck prüfen? Als Frau? Ist ja fantastisch!“

Allerdings habe ich an der Tankstelle anscheinend sehr viel Aufsehen erregt. Zunächst hat mich ein anderer Autofahrer darauf hingewiesen, dass die Richtwerte für den Reifendruck in der Tankklappe meines Autos stünden, während ich die Werte in der Innenseite meiner Fahrertür ablas, wo sie in diesem Fall angebracht waren.

Nachdem ich den Reifendruck geprüft hatte, nahm ich mir ein Tuch aus einem Spender, um mir die schwarzverschmierten Hände abzuwischen. „Immer noch hier“?, fragte mich ein Motorradfahrer. „Ja, aber ich bin jetzt fertig“, sagte ich. „Wie? Sie haben den Reifendruck gemessen?“, der Mann sah mich fassungslos an. „Als Frau? Ist ja fantastisch!“

Ich bin auch in der Lage, in der Nase zu bohren

Leider war ich daraufhin so fassungslos, dass ich dem Motorradfahrer keine entsprechende Antwort geben konnte. Ich möchte das nun nachholen: Ja, ich bin eine Frau und ich habe den Reifendruck überprüft. Es ist schade, dass das im Jahr 2018 überhaupt noch eine Rolle spielt oder irgendwie erwähnenswert ist. Fantastisch ist das in jedem Fall nicht.

Ich bin nämlich auch in der Lage, mir die Schuhe zuzubinden oder in der Nase zu bohren. Obwohl ich eine Frau bin. Komplimente dafür gebe ich gerne weiter an den Motorradfahrer. Denn ich tippe: Er kann das alles auch.

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