Ein Leben auf Rollen

Lilly Steophasius kommt aus Berlin. In der Disziplin “Park” hat sie die Deutsche Meisterschaft im Skateboarden gewonnen. Sie skatet, seit sie fünf Jahre alt ist. Und heute, mit elf Jahren, ist sie international unterwegs und erfolgreich. Eine Teilnahme bei Olympia im Sommer 2020 in Tokio scheint möglich. Wenn sie skatet, ist das höchtste Artistik, Ästhetik und Körperbeherrschung. Sie wirkt konzentriert und locker zugleich, glücklich, selbstsicher. Seit ich sie zum ersten Mal gesehen habe, bin ich Fan von Lilly. Ich fand Skateboarden schon immer verdammt cool und Lilly ganz besonders.

Immer wieder: Alter und Geschlecht

Lillys junges Alter ist ein Alleinstellungsmerkmal. Beim Skaten misst sie sich mit Frauen jeder Altersklasse.

Dass sie weiblich ist, sollte eigentlich nichts besonderes sein. Das ist es aber doch, sowohl im Leistungssport als auch im Freizeitsektor, in Deutschland und weltweit. Jedoch in ganz unterschiedlichem Ausmaß. In Skateschulen z. B. in Kambodscha, Afghanistan, Südafrika wird darauf gesetzt, Mädchen gezielt über das Skateboarden zu stärken und stereotype Vorstellungen kritisch zu hinterfragen. „Eine Skateschule für Frauen lässt uns überdenken, was Mädchen erreichen können. Wenn Mädchen Skaten können, warum sollen sie dann nicht auch viele andere Dinge schaffen?“ so der Gründer der Nichtregierungs-Organisation Skatistan Oliver Percovich. Über das Skaten werden Lebens- und Bildungschancen ermöglicht und Bildungszugänge geschaffen. Für Jungen und besonders für Mädchen.

Bestehendes Ungleichgewicht

Und wie sieht es woanders auf der Welt aus? Lacey Baker, US-amerikanische Top-Skaterin, prangert das Ungleichgewicht im Spitzensport an. Sie spricht davon, beim Skateboarden als Frau herablassend behandelt zu werden und sie hört Sätze wie: “Schau doch nur, was wir für Euch gemacht haben” oder Fragen wie: “Wie fühlt es sich an, eine Skateboarderin zu sein?” Sie ist davon zu recht genervt und ihr reicht es auch nicht, die Hälfte des Preisgeldes eines Mannes zu bekommen. Und dann noch das Thema Aussehen und Vermarktung von Skateborderinnen: Laut Baker geht es “jedoch immer noch sehr viel darum, wie sexuell wir uns geben, welche Frisur wir tragen oder wie eng unsere Hosen sind. Schaut ihr den Frauen beim Skateboarden zu, weil ihr euch daran aufgeilen wollt, oder weil ihr unsere Fähigkeiten auf dem Brett wirklich respektiert?”

Das bestehende Ungleichgewicht im Skateboarden reicht also von einer allgemeinen Ungleichbehandlung z. B. in der Teilnahme an Wettbewerben bis hin zu enormen Diskrepanzen in der Preisgeldverteilung. Es ist an der Zeit, dass sich das ändert, bestimmt auch durch Lilly.

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