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Die Aufregung war groß als Daniel Eich vor kurzem zum Gewinner des Preises “Spitzenvater 2019” gekrönt wurde. Die Auszeichnung dreht sich u. a. darum, dass er 1 Jahr Elternzeit nimmt und seine Frau Dr. Insa Thiele-Eich für diesen Zeitraum als Astronautin im Weltall sein wird. Und auch wenn es absurd klingt, einen solchen Preis zu vergeben und es fraglich ist, ob die einjährige Elternzeit ein Indiz dafür ist, ein “Spitzenvater” zu sein, zeigt es auch die bestehenden Ungleichheiten in der Kinderbetreuung auf. In den allermeisten Fällen nehmen die Mütter den Großteil der Elternzeit in Anspruch und die wenigsten Väter betreuen in der Elternzeit ihre Kinder alleine. Und nach der Elternzeit geht es so weiter. Es zeigt sich ein ähnliches Bild. Die allermeisten Väter gehen in Vollzeit ihrem Beruf nach, während die allermeisten Mütter ihre Stelle reduzieren.

Familie und Beruf, Beruf und Familie

Familie und Beruf. Beruf und Familie. Familie und Beruf. Ich wiederhole mich. Das Thema wiederholt sich. Das Thema drängt sich auf. Mit der Entscheidung, ein Kind bekommen zu wollen, gehen so viele Entscheidungen einher. Viele davon will man gar nicht treffen, sich am liebsten davor drücken, es passieren, auf sich zu kommen lassen. Viele davon müssen aber leider früher als später getroffen werden, auch wenn man das, was darauf folgt, nur schwer abschätzen kann. Die Entscheidung, dass beide Elternteile sich nicht nur die Elternzeit teilen, sondern nach der Elternzeit beide wieder zu 75 Prozent berufstätig sind, war für uns eine gute Entscheidung, für die ich Werbung machen will.

Manuela S. gab den Anstoß

Spätestens wenn das Kind unterwegs ist, dann gibt es diesen Zeitpunkt, an dem man sich darüber berät wie die Elternzeit und die Zeit mit Kind überhaupt aussehen kann. Elternzeit, Elterngeld, Elterngeld plus, Partnermonate, usw. da gilt es zunächst einmal einen Überblick zu bekommen. Und dann steht da die große Frage: Wie wollen wir das machen? Zumindest war die Frage bei uns groß, denn wir hatten keinen Plan. Und genau dieser nicht vorhandene Plan gab uns die Möglichkeit, genau zu schauen, was wir uns für uns vorstellen können und was nicht. Wir trafen die Entscheidung, nach der “eigentlichen” Elternzeit beide wieder zu 75 Prozent zu arbeiten und dazu auch noch das Elterngeld der vier sogenannten Partnermonate zu beziehen. Eine Möglichkeit, die von der Bundesregierung um die damalige Familienministerin Manuela Schwesig durch das Elterngeldgesetz zum Juli 2015 verabschiedet wurde. Eine Möglichkeit, die wir nicht nur in der Elternzeit nutzten, sondern bei der wir darüber hinaus geblieben sind.

Falsch verstandene Teilzeitfalle

Ist von der Teilzeitfalle die Rede, sind damit häufig Frauen gemeint, die nach der Geburt des Kindes halbtags arbeiten. Ihnen wird zugeschrieben, dass sie ihre guten Ausbildungen unzureichend nutzen, um im Beruf so erfolgreich zu sein wie sie es könnten und zeitgleich zu wenig für ihre Altersversorgung tun. Das ist aber vorrangig der ökonomische Blick auf die Dinge. Ich bin der Meinung, dass junge Mütter in Teilzeit häufig unter Druck stehen und ganz ambivalente Gefühle miteinder vereinen müssen und das im Job und in der Familie. Im Job versuchen Sie, auf halber Stelle soviel wie möglich zu leisten und so effektiv wie möglich zu arbeiten. In der Familie gilt Gleiches. Häufig hängt ein Großteil der Kinderbetreuung an Ihnen und die allermeisten Aufgaben rund um Familie und Haushalt werden durch sie erledigt. Ihnen selbst bleibt in den ersten Jahren mit Kind wenig frei verfügbare Zeit. Da kann nicht nur der Beruf zur Falle, sondern das GANZE kann zu einer tückischen Falle mutieren mit viel Dampf im Kessel.

Über Fingernägel schneiden und Kinderschuhe kaufen

Wenn beide versuchen, sich die Aufgaben rund um das Kind zu teilen, dann kann das ein guter Mix werden. Fast so etwas wie ein genüsslicher Cocktail. Eine gute Mische bestehend aus Beruf-Familien-Ich-Zeit, ohne Zerrissenheit und schlechtes Gewissen, manchmal sogar mit einem lustigen Partyschirmchen oben drauf. Es gibt dann Zeiten, in denen der eine in erster Linie seinen Beruf ausübt und die Familie einen kleineren oder größeren Moment vergessen kann. Und es gibt Zeiten, in denen sich der eine vorrangig um das Kind und das Zuhause kümmern kann. Um Fingernägelschneiden und Kinderschuhe kaufen. Und es gibt Zeiten, in denen man sich zusammen um all diese Dinge kümmern kann, um die Familie und jetzt kommt das Beste – auch um sich selbst und das auch mal ganz alleine. Es ist dann Zeit für eine Runde Sport oder ein gutes Buch. Vielleicht nicht ein ganzes Buch, aber zumindest ein paar Seiten. Und auch wenn die Zeiten begrenzt sind, so gibt es sie doch für beide.

 

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Macht es wie die Kaiserpinguine

Abwechselnd in der wohlig wärmenden Bauchtasche von Mama und Papa zu sitzen und beschützt und gefüttert zu werden, so geht es im besten Fall den Babies der Kaiserpinguine. Mal ist die Mama alleine unterwegs, auf Futtersuche für sich und das Junge. Mal ist der Papa alleine unterwegs, auf Futtersuche für sich und das Junge. Und das Beste, die beiden Partner verlieren sich nicht aus den Augen, die alltägliche Welt ist eine ganz ähnliche. Jeder weiß genau, was es heißt, ein Kind zu versorgen und zu erziehen und sich um Einkäufe, Wäsche, etc. zu kümmern oder auch mal einen leichten Nachmittag in der Sonne im Garten verbringen zu können. Jeder weiß auch, was es heißt auf der Arbeit abzuliefern und auch wie schön es sein kann, einen Kaffee ganz ohne Kind nur mit der Lieblingskollegin zu schlürfen. Und glaubt mir, das Verständnis füreinander wächst und wächst und wächst und wächst.

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