Ist das das Zeichen, auf das du wartest?

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Verdammtes Vorurteil

Es ist verdammt hartnäckig und bleibt, wenn es kann. Und dann setzt es sich fest, oft unbemerkt. Es ist meist alt und mag es, gehegt und gepflegt zu werden. Na klar, wer mag das nicht? Der Duden definiert es so:

 “Vorurteil, das. Substantiv, Neutrum: ohne Prüfung der objektiven Tatsachen voreilig gefasste oder übernommene, meist von feindseligen Gefühlen gegen jemanden oder etwas geprägte Meinung.”

Man wird ja wohl nochmal sagen dürfen…

Eine Meinung zu haben ist einfach. Zu urteilen ist leicht. So viel leichter als zu denken. Denn was passiert, wenn das Denken ins Ungewisse führt? Die Antwort nicht eindeutig, der Sachverhalt komplex ist. Vielleicht auch zu komplex für eine einfache Lösung? Dann kann das Abwägen und Aushalten schwer fallen. Es nervt, immer wieder zu reflektieren, neu zu überdenken und doch am Ende kein fertiges Rezept zu haben.

Da ist es doch einfacher, sich am verdammten Vorurteil festzuhalten.

Aber wie so oft ist auch in diesem Fall der beste Weg nicht der einfachste. Denn diese Vorurteile führen meist zu Ausgrenzungen. Und zwar besonders dann, wenn sich die Vorurteile innerhalb einer Gruppe verstärken und sich auf eine andere Gruppe beziehen. Das Phänomen des “Intergruppen-Verhaltens” kann dazu führen, dass sich Gruppen mit vorurteilshaften Vorstellungen von anderen Gruppen abgrenzen.

Um solche Vorurteile abzubauen, hilft vor allem eins: und zwar Bildung. Damit ist nicht der formale Bildungsabschluss gemeint. Nein, ich meine Bildung inform von Persönlichkeitsbildung.

Die Antwort ist Bildung!

Was begünstigt es, Vorurteile zu haben und an diesen festzuhalten? Über welche Eigenschaften verfügen Personen, die sich gerne an Vorurteilen bedienen und diese kund tun? Wie können Vorurteile eigentlich entstehen und wie können sie abgelegt werden?Auch die Wissenschaft beschäftigt sich mit solchen Fragen.

Was hilft, ist Ambiguitätstoleranz: schweres Wort, große Wirkung. Mit Ambiguitäten sind Widersprüche, Doppel- oder Mehrdeutigkeiten gemeint. Ambiguitätsintolerante Menschen sind intolerant gegenüber doppeldeutigen und unklaren Situtationen. In solchen Situationen versuchen sie schnell eine Regel zu bilden, die die Unklarheiten beseitigt. Sie versuchen sich auf das ihnen Vertraute, Sichere, Einfache und Entschiedene zu beziehen. Damit geht oft ein abwertendes Verhalten gegenüber neuen, unklaren Zuständen einher.

Ambiguitätstolerante Menschen dagegen erleben ungewisse Situationen anders. Sie halten es gut aus, wenn zum Beispiel  Menschen anders sind als sie selbst und dieses Anderssein bei Ihnen selbst Unsicherheiten auslösen kann.

Wie schafft man es nun, Ambiguitätstoleranz aufzubauen?  Am besten über echte Kontakte zu Menschen. Die sogenannte Kontakt-Hypothese hilft hier weiter.

Kontakt-Hypothese

Der verstorbene US-Sozialpsychologe Gordon Willard Allport stellte dar, dass sich Vorurteile durch Kontakte zu anderen abbauen lassen:

“Vorurteile können (…) durch einen Kontakt mit gleichem Status (…) in der Anstrebung gemeinsamer Ziele verringert werden. Die Wirkung ist sehr viel größer, wenn der Kontakt durch die öffentlichen Einrichtungen unterstützt wird und vorausgesetzt der Kontakt führt zur Entdeckung gemeinsamer Interesssen und der gemeinsamen Menschlichkeit beider Gruppen.”

Das heißt also, wenn Menschen mit gleichem Status sich auf Augenhöhe begegnen, interagieren und an einem gemeinsamen Ziel arbeiten und die Begegnungen durch Institutionen unterstützt werden, dann sind wichtige Rahmenbedingungen vorhanden, um Vorurteile abzubauen. Diese Bedingungen zu schaffen, ist bestimmt nicht ganz einfach. Aber es ist möglich! Das Individuum steht an dieser Stelle genauso in der Verantwortung wie die Gesellschaft.

Damit es aber erst gar nicht so weit kommt, dass sich Intergruppen-Vorurteile so festsetzen und zu Ausgrenzungen führen, helfen echte Begegnungen zwischen Menschen, auch innerhalb von Gruppen. Und dann gilt es, die gemeinsame Menschlichkeit zu suchen und zu finden. Ich bin mir sicher, das kann gelingen!

Fragezeichen

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Stellt sich nur noch die Frage, wie schreibt man einen solchen Text ohne zu belehren und moralisieren? Wahrscheinlich ist die Antwort nicht eindeutig. Ich versuche das auszuhalten. Eure Katharina

Quellen:

Allport, G. W. (1954). The nature of prejudice. Mass: Addison-Wesley.

Güttler, P. O. (2003). Sozialpsychologie. Soziale Einstellungen, Vorurteile, Einstellungsänderungen. In A. Mohr (Hrsg.), Edition Psychologie, 4. Aufl., München: Oldenbourg.

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