Schalom zusammen!

Vor kurzem habe ich in der Redaktion über das Buch einer Deutschen geschrieben, die mit einem Israeli verheiratet ist und mit ihrer Familie in Berlin lebt. Mich hat „Willkommen im Café Zahav“ von Kirsten Grieshaber sehr beeindruckt. Sie beschreibt, wie bunt und glücklich ihr Leben ist. Aber auch wie ihre Familie bedroht wird, weil ihr Mann Jude ist. Mitten in Deutschland, dem Land der Täter.

Dass die antisemitischen Übergriffe in Deutschland nach Angaben des BKA im vergangenen Jahr gestiegen sind, wusste ich (hier nachzulesen bei der Welt). Aber durch das Buch sind diese „Fälle“ und „Zahlen“ für mich greifbarer geworden.
Grieshabers Erzählungen haben mich erschüttert und traurig gemacht. Aber nicht nur.

Wir alle benutzen jiddische Wörter

Sondern auch hoffnungsfroh. Zum einen durch die fröhlichen Szenen in dem Buch, die zuversichtlich stimmen, dass es in Deutschland doch künftig wieder mehr jüdisches Leben geben kann.
Zum anderen ist mir durch die Recherche dazu erst bewusst geworden, wie viele jiddische Wörter ich doch kenne und sogar oft benutze. „Tacheles“ gehört für mich mit zu den schönsten jiddischen Wörtern. „Lass uns mal Tacheles reden“ – das hört sich viel besser an als: „Jetzt mal Klartext“.

Auf der Seite der Uni Trier heißt es: „Jiddisch ist eine Sprache ohne Land, die überall auf der Welt gesprochen wird. Es ist die wichtigste Volkssprache der in Mittel- und Osteuropa beheimateten oder von dort stammenden Juden.“

Schlammassel, Ganoven und Kaff

Dabei hat die rund 1000 Jahre alte westgermanische Sprache mit hebräischen und romanischen Einflüssen so viele wundervolle Wörter zu bieten: „Schlamassel“ klingt für mich großartig – irgendwie so, als sei alles gar nicht soo schlimm. Als könnte man da noch raus kommen, auch wenn man es „vermasselt“ hat. Auch die „Ganoven“ und „Gauner“ wirken eher liebenswürdig im Gegensatz zu den „echten Kriminellen“.

Unter meinen Favoriten außerdem: „Maloche”, „Bohei“, „ausbaldowern“, „Chuzpe“, „Kaff“, „Knast“, „mauscheln“, „meschugge“, „mies“, „Mischpoke“, „Pleite“, „beschickert“, „Schmiere stehen“, „schmusen“, „Tinnef“ und „Zoff“. Eine ausführlichere Liste findet Ihr hier auf der Seite des Journalisten Bastian Sick (der von „Der Dativ ist dem Genetiv sein Tod“).

Was für ein „Tohuwabohu“

Für mich außerdem eins der besten Wörter überhaupt: „Tohuwabohu“. Schöner kann man Chaos nicht beschreiben. Das ist allerdings Hebräisch. Aber auch ein Wort, das Teil unseres Sprachgebrauchs ist. (Mein Name ist übrigens auch Hebräisch, „Rebecca“ soll so etwas wie die „Bestrickende“ bzw. „die Fesselnde“ bedeuten. Da weiß ich jetzt nicht, ob das so schmeichelhaft ist. Aber das nur am Rande.)

Was ich mit all dem sagen will: Jiddisch und Hebräisch sind Teil der deutschen Sprache. Beziehungsweise sind viele Ausdrücke aus dem Jiddischen oder Hebräischen entlehnt. Die jüdische Kultur ist uns allen hierzulande viel näher, als wir denken. Und in unserer Sprache allgegenwärtig.

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