Ich hörte Götz Alsmann einmal sagen, dass er nie nie einen Rollkoffer besitzen würde. So unbequem es auch sein mag, er wird immer seine Reisetasche tragen, wahrscheinlich aus braunem Leder und schwer bepackt. Wahrscheinlich eine Reisetasche aus einer längst vergangenen Zeit. Und nein, Götzi-Mausi, ich kann es mir auch einfach nicht vorstellen, dich, im neongelben Licht des Flughafens, einen Rollkoffer ziehend, zu sehen. Viel mehr wartest du an einem verlassenen Bahnhof mit der Reisetasche in der Hand und einer Zeitung unterm Arm auf die verspätete Dampflock aus der Ferne. Der Himmel ist dabei natürlich grau. Götz Alsmann ist wohl sowas wie der Inbegriff von Nostalgie, der dem nüchternen Pragmatismus willensstark die Stirn bietet.

So schön praktisch, so schrecklich ordentlich

Ich besitze einen Rollkoffer, den ich auch ziemlich praktisch und ganz hübsch finde. Aber ab einem gewissen Punkt hört auch mein Verständnis für praktische Dinge ohne Stil auf. Das beginnt für mich bei Klappkisten für den Kofferraum, geht über zu Fahrradtaschen für den Gepäckträger und endet bei Körben mit Punkten drauf, häufig gesehen bei Eltern, die gerne den Überblick behalten.

Apropos Klappkisten für den Kofferraum:

Du parkst deine Familienkutsche in der Doppelgarage. Das Garagentor öffnet sich natürlich automatisch, der Kofferraum sowieso. Und in deinem gesaugten Kofferraum steht diese Klappkiste mit Frostschutzmittel für die Scheibenwischanlage, einem Seil und einem Handfeger und nicht zu vergessen irgendwelchen Schuhen zum Wechseln. Sowas kann man immer gebrauchen. Von der Garage aus – rechts und links an den Wänden sind natürlich Regale montiert – hast du direkten Zugang in dein Häuschen. Wie praktisch.

Apropos Fahrradtaschen für den Gepäckträger:

Deine Einkäufe in der Innenstadt erledigst du natürlich mit dem Fahrrad. Da gibt es keine lästige Parkplatzsuche. Und in deiner Fahrradtasche ist immer Platz für eine Regenjacke, eine Erbsensuppe, Knackwürste und frische Brötchen vom Bäcker deines Vertrauens. Da schwappt nichts über, da bleibt alles an seinem Platz.

Apropos Körbe mit Punkten drauf:

Ob zum Arztbesuch oder zum Kinderturnen, dein Korb mit Punkten drauf ist immer dabei. Und einklappen kannst du ihn auch. Wow! Stoppersocken für das Kind, Stoppersocken für Dich, eine Trinkflasche und eine Tupperdose mit Knabbereien und nicht zu vergessen: Feuchttücher. Alles steht nebeineinander im Klappkorb. Super übersichtlich, super aufgeräumt.

Und warum stört mich das?

Ich war schon immer der Typ, der die Schultasche am letzten Schultag in die Ecke gestellt hat und am letzten Ferientag angewidert das alte Käsebrot rausgefischt hat.

Ich war schon immer der Typ, der im Kofferraum zwar keine Klappkiste für Ordnung, aber mindestens eine Flasche irgendwas ohne Kohlensäure durch die Gegend rollen lässt. Das gehört schließlich in meinen Kofferraum.

Ich war schon immer der Typ, der gerne einen Rucksack trägt, in dem zwar nichts an seinem Platz, aber irgendwie doch alles dabei ist. Von mir aus auch eine Getränk für den Kleinen und ein Stück Obst, aber bitte am Stück und nicht in kleine mundgerechte Stücke geschnitten, fein säuberlich in eine Tupperdose gepackt.

Ich war schon immer der Typ, der es eher etwas rotzig, als zu sauber und aufgeräumt mag.

Mein Rucksack gehört mir

Und wahrscheinlich ist es genau das, was ich mir mit meinem unübersichtlichen Lieblingsrucksack bewahren möchte. Es ist mein Versuch, doch anders zu sein als meine Eltern es sind, und vor allem nicht ganz so erwachsen zu sein. Ein kleines bisschen Rebellion gegen diese ganze Organisiertheit. In meinem Rucksack finde ich immer irgendwas.

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