Komm schon, hübsch über den Catwalk laufen, ja? Leider nein, leider gar nicht!
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Ich bin nicht so oft wütend, aber wenn, dann richtig. Germany’s Next Topmodel löst jedes Jahr zum Staffelstart dieses Gefühl in mir aus. Ich kann immer noch nicht glauben, dass Mädchen und junge Frauen, die ja die Hauptzielgruppe sind, seit jetzt schon 13(!) Jahren zur Prime Time eingetrichtert bekommen, dass sie sich verbiegen sollen wie eine Schaumstoff-Schwimmnudel, nur um zu gefallen. Sei dünn, sexy und möglichst schablonenhaft. Ein bisschen „Personality“ darf sein, aber bloß nicht zu viel.


Das Frauenbild in GNTM? Fatal


Das Frauenbild in der Show? Fatal. 2015 zum Beispiel bohrte Heidi Klum im Bauch der superschlanken Vanessa Fuchs herum und erklärte dann: „Das darf nicht weich sein. Das ist viel zu squishy!“ Der Bauch der damals 18-jährigen Vanessa, die später die Staffel gewann, sei zu „wabbelig“. Die Herrscherin über das Hungerhaken-Reich ließ ihre Untergebenen dann den eigenen stahlharten „Waschbrettbauch“ berühren. OMG! Ähnliche Situationen gab es in der Sendung immer wieder.  Da hilft es auch nichts, dass zwischendurch mal ein Alibi-Curvy-Modell, das vollkommen normal gebaut ist, mitmachen darf. Wie mag das alles auf einen wirken, wenn man zwölf Jahre alt ist und überhaupt erst mal damit klarkommen muss mit dem, was da gerade mit dem eigenen Körper passiert?


Am Ende lernen die jungen Zuschauerinnen: alles für Heidi, alles für den Job, alles für den Kunden, alles für andere. Aber nichts für Dich selbst. Dabei führt die vielbeschworene Topmodel-Karriere dann drei Jahre später oft doch nur ins Dschungelcamp.


Am Donnerstag ging Heidis Horrorshow wieder los und jetzt setzt die neue Alleinherrscherin ohne Jury-Kollegen voll auf „diversity“. „Denn Vielfalt ist momentan DAS Thema in der Fashionwelt.” Ergo: Heidi hat leider nicht so richtig verstanden, was dieses „diversity“ eigentlich ist.


Mein großer Traum: die Anti-Topmodel-Show


Mein großer Traum ist ja eine Anti-Topmodel-Show: Da treten Frauen an, die ihre Bierbäuchlein schaukeln, selbstverliebt über ihre Zellulite-Oberschenkel streichen, völlig unrasiert Sumo ringen, mit ihren Zähnen Bierflaschen öffnen, zum Mett-Wettessen antreten, Arschbomben im Schwimmbad machen, dann in Jogging-Buxen rumliegen und Burger in sich reinstopfen, um die Wette rülpsen und sich dann glücklich in den Armen.


Und dann könnte die Jurorin, zum Beispiel Carolin Kebekus, eintreten und so Sachen sagen wie: „Hach, nää, wat war Dein vorletzter Rülpser schön.“ Zur Belohnung bekommt jede einen Schnaps. Und stößt an – auf sich selbst.

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