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„Vermisster Familienvater in Hamburg gefunden“, lese ich in der Rheinischen Post, „Familienvater bei Wohnhausbrand leicht verletzt“, in der Schwäbischen Zeitung. Auch Politiker, Topmanager oder Vorstandsvorsitzende werden in Porträts gerne als „Familienväter“ beschrieben.

Und ich stolpere jedes einzelne Mal über dieses Wort. Was bitte ist ein Familienvater? Und was unterscheidet ihn von einem Vater? Ist das nicht genauso, als würde man vom „schwarzen Rappen“ oder vom „weißen Schimmel“ sprechen? (Vielleicht klingelt es im Hinterkopf? Deutschstunde? Rhetorische Mittel? Pleonasmus?)

Warum spricht niemand von einer „Familienmutter“?

Gehört zu einem „Vater” nicht in der Regel eine Familie? Und vor allem: Warum spricht niemand von einer „Familienmutter“?

Im Duden lese ich zur Definition: „Vater, besonders im Hinblick auf die Fürsorge für seine Familie“. Aha, jetzt wird mir einiges klar: Dass ein Vater sich um seine Familie kümmert, müssen wir anscheinend immer noch extra betonen. Der Begriff „Mutter“ dagegen schließt all das schon ein. Sie ist – per definitionem – fürsorglich und treusorgend.

Ein Vater kann nur Erzeuger und dann für immer abwesend sein – er bleibt Vater. Eine Mutter dagegen wird in so einem Fall zur „Rabenmutter”.

Familienvater: mehr als 2 Millionen Treffer bei Google

2.070.000 Treffer spuckt Google beim „Familienvater“ aus – bei der „Familienmutter“, die tatsächlich auch im Duden auftaucht, dagegen nur 370.000. Getoppt wird sie traurigerweise von, richtig, der „Rabenmutter” mit 1.020.000 Treffern.

Meine Hoffnung ist, dass die nächsten Generationen diese Begriffe nicht mehr verstehen werden. Dass sie einfach verschwinden. Aus dem Duden, aber vor allem aus unseren Köpfen.

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