Am Wochenende sind besonders viele Sternschnuppen am Nachthimmel zu sehen. Foto: StockSnap/Pixabay

Am Wochenende werden sie auf uns hinabregen, die Perseiden. Sternschnuppen, die alljährlich im Hochsommer zu sehen sind, vorausgesetzt es ist klar. Ich jedenfalls werde in den Nachthimmel schauen, um den Blick auf eine von ihnen zu erhaschen – und mir etwas wünschen zu können.

Ja, ich weiß: purer Aberglaube, alles Nonsens. Horoskope, Tarot-Karten oder Wahrsager: Sie alle haben keinen sonderlich guten Ruf. Alles Hokuspokus, sagen viele. Und ja, ich sehe das genauso. Zumindest meistens.

Ein wichtiger Termin am Freitag, den 13.? Mir doch egal

Eine schwarze Katze, die von links nach rechts über die Straße läuft? Ist mir egal. Wahrscheinlich fällt sie mir noch nicht einmal auf. Eine wichtiger Termin am Freitag, den 13.? Interessiert mich nicht. Ich habe kein Problem damit, im Flugzeug in der Reihe 13 zu sitzen, obwohl es die bei manchen Fluglinien ja gar nicht geben soll. Und ich lebe sehr gut damit, in einem Haus mit der Nummer 13 zu wohnen.

Was vermeintlich Unglück bringen soll, ignoriere ich konsequent. Allerdings hebe ich sehr gerne „Ein-Cent-Stücke“ auf, freue mich über vierblätterige Kleeblätter und Glückskekse. Wenn mir ein Teller hinfällt, denke ich: Scherben bringen Glück. So abgedroschen das auch klingen mag. Wenn ich eine Wimper verliere, puste ich sie weg und wünsche mir etwas. Und ja, ich gebe zu, ich habe Münzen in den Trevi-Brunnen in Rom geworfen und der Julia-Statue in Verona an die rechte Brust gefasst. Wenn es ums Glück geht, mache ich mich auch schon mal lächerlich.

Es geht um das Ritual an sich

Heute, nachdem ich den Blogeintrag fast fertig hatte, und ich zum Einkaufen aufgebrochen bin, sind mir zwei Schornsteinfeger entgegengekommen. Kein Witz. Ich freue mich über solche guten Omen. Schlechte lasse ich dagegen links liegen. Klar, ich picke mir nur die Rosinen raus, aber ich sehe nicht ein, warum das in diesem Fall schlecht sein sollte.

Im Grunde weiß ich ja, dass meine Wünsche nicht in Erfüllung gehen, weil ich eine Wimper weggepustet habe. Aber das Ritual ist zu schön, um es sein zu lassen. Und im Grunde macht mich schon der Akt des Wünschens, diese kleine Zeremonie im Alltag, ein kleines Stück glücklicher.

Ich liebe Rituale, die Glück bringen sollen

Ich liebe Rituale, die Glück bringen sollen. Als ich in Spanien studiert habe, konnte ich mit meinen Kommilitonen „La Noche de San Juan“ feiern – also die „Nacht des Heiligen Johannes“. In der Nacht vom 23. auf den 24. Juni – dem Namenstag des Johannes – verwandelt sich die spanische Küste in einen magischen Ort.

Die Menschen feiern die ganze Nacht am Strand, tanzen um große Lagerfeuer und bestaunen die Feuerwerke, die den Himmel erleuchten und sich im Meer spiegeln. Dabei wird das Johannes-Fest in jeder Region ein wenig anders begangen. Im andalusischen Almeria – so war es zumindest damals – schreibt man seine Sorgen auf einen Zettel und verbrennt ihn im Feuer. Dann, in der Regel um Mitternacht, läuft man ins Meer, hüpft über die Wellen und wünschte sich bei jedem Sprung etwas. In anderen Regionen springt man dagegen über die lodernden Flammen, schreibt El País. Das hätte ich mich sicher nicht getraut.

La Noche de San Juan – Aberglaube für Anfänger

Die Rituale meiner Studentenstadt sind mir auch deshalb sehr sympathisch, weil es ein „niedrigschwelliges“ Angebot für Aberglauben-Anfänger ist: Man muss sich nicht großartig überwinden, irgendwelche Kräuter oder Knochen im Mondschein zu köcheln. Auch die Skeptiker stürzten sich in die Brandung und ließen ihre Sorgen in Flammen aufgehen.

Symbolisch kann man das auch zu Hause immer wieder mal machen. Ein inneres Lagerfeuer entzünden und negativen Gedankenschrott abbrennen lassen. Und sich hin und wieder bewusst etwas zu wünschen, kann ja auch nicht schaden. Allein schon, um sich selbst klar zu machen, was denn eigentlich die innersten Herzenswünsche sind.

Und allen Skeptikern sei gesagt: Mindestens einer meiner andalusischen Wünsche von damals ist tatsächlich in Erfüllung gegangen. Aber das war wahrscheinlich Zufall.

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