Ramona und Uli

Auf ihrer Europatour haben sie sich ineinander verliebt: Ramona und Uli in Südtirol. Foto: Ramona Krieger/Ulrich Pingel

»Auf einer Skala von eins bis zehn – wie verrückt wäre es wohl, wenn wir das zusammen machten?«, frage ich. »Eine Zwölf«, sagt Uli. »Aber wir machen es trotzdem.« Damit war das entschieden. Uli und ich würden zusammen auf eine Reise durch Europa gehen. Für ein Jahr, zusammen mit meinem Hund, in einem Wohnmobil leben und uns einfach ins Abenteuer stürzen.

In hundert Tagen ein Leben aufgelöst

Von diesem Augenblick an hat es nur hundert Tage gedauert, bis wir tatsächlich losgefahren sind. Was als Schnapsidee anfing, wurde langsam ernst. Wir lösten beide unsere Wohnungen auf, verkauften unsere Autos und alles, was wir nicht mehr brauchten und packten den Rest in Kisten. Von dem Moment der Entscheidung an, waren wir beide plötzlich Sonntagskinder. Alles lief wie von selbst, die Dinge fügten sich, als würde eine unsichtbare Kraft alle Hindernisse für uns aus dem Weg räumen, um uns zu sagen: »Endlich habt ihr mal die richtige Entscheidung getroffen!« Sogar das für uns perfekte Wohnmobil fanden wir durch einen glücklichen Zufall schnell und hatten noch genug Zeit, es etwas umzubauen und aufzurüsten.

Ramona, Uli und Pepito vor dem Wohnwagen

Heimat für ein Jahr: der Wohnwagen von Ramona, Uli und Hund Pepito. Foto: Ramona Krieger/Ulrich Pingel

Bis zuletzt befragte ich jeden Morgen meinen Bauch, ob es sich noch immer richtig anfühlte. Schließlich waren Uli und ich kein Paar. Wir kannten uns zwar seit vielen Jahren und waren locker befreundet, aber würden wir auf so engem Raum, mit all diesen Herausforderungen, zusammen klarkommen? Mein Bauch blieb erstaunlich gelassen.

Ohne Plan ins Abenteuer

Dann ging’s los. Hoch in den Norden, bis zum Nordkap, runter bis nach Griechenland, quer durch Italien, … Ein Jahr Freiheit und Selbstbestimmtheit pur. Einen besseren Reisepartner hätte ich nicht finden können; wir waren wie füreinander gemacht.

Ein Wohnmobil unterm Sternenhimmel: Was will man mehr? Foto: Ramona Krieger und Ulrich Pingel

Umwerfende Naturerlebnisse, aufregende Städte, unvergessliche Momente. Einer der schönsten: An einem traumhaften, einsamen Strand auf einer griechischen Insel, händchenhaltend, nackt und laut kreischend in die Brandung rennen. Unbeschwertheit, wie man sie zuletzt als Kind gespürt hat.

Aber noch faszinierender war, was mit uns passierte, oder besser in uns. Wir hatten plötzlich den Abstand und die Muße, um uns nochmal so ganz grundsätzliche Fragen zu stellen: Wer bin ich eigentlich, wenn ich keine Rollen zu erfüllen habe? Wo und wie will ich leben? Wie will ich arbeiten? – Wann hat man im Alltag schon die Gelegenheit, sich mit solchen Themen wirklich auseinanderzusetzen?

Die beste Entscheidung meines Lebens

Die Antworten, die wir fanden, waren dieselben. Am glücklichsten waren wir in der Natur, beim Wandern im Wald, Schwimmen im See, Lagerfeuer am Strand. Wir wollen nicht zurück in die Stadt und wir wollen auch nicht zurück in ein Büro und einen Job, der uns nichts gibt.

Ramona, Uli und Pepito

Familie mit Hund: Ramona, Uli und Pepito. Foto: Ramona Krieger/Ulrich Pingel

Inzwischen sind wir zurück, haben auf der Reise ein Buch geschrieben, gemeinsam eine Firma gegründet, sind auf der Suche nach einem Häuschen in der Eifel und – verlobt. Während unserer Reise haben wir uns noch einmal ganz neu kennengelernt und uns ineinander verliebt. Der Trip war sozusagen das längste Date, das wir jemals hatten. Das Abenteuer geht weiter, es bleibt spannend. Auf diese Reise zu gehen, hat einfach alles verändert. Doch es war die beste Entscheidung meines Lebens.

Ramona Krieger ist 39 Jahre alt und kommt aus Köln. Zusammen mit ihrem Verlobten, dem 37-jährigen Projektmanager Ulrich Pingel, hat sie während ihrer Europa-Reise das Buch Auszeit “Auszeit Storys – 11 inspirierende Geschichten über den Aufbruch zu einer längeren Reise” geschrieben und einen Verlag gegründet. Mehr zu unserer Geschichte und viele, spannende Reiseberichte findest du unter www.wenn-nicht-jetzt.de.

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