Mama sein

Aaaaah schon wieder eine Mama, die sich übers Mama-Sein äußern möchte. Und ja, ganz richtig: übers Mama sein wird eine Menge geschrieben und noch mehr geredet. Vieles davon kann man getrost vergessen und vieles davon ist wirklich interessant. Einen Einblick in kuriose Szenen des ganz normalen Wahnsinns als Mama geben zum Beispiel Lisa und Katharina auf Stadt Land Mama. Und Lisa Seelig schreibt die Kolumne Familie und Gedöns. Darin deckt sie wunderbar unterhaltsam die alltäglichen Ambivalenzen des Familienzirkus auf. Oder Stephanie Morman: Ihr Instagram-Account zeigt die stressigen Seiten des Lebens als Mama.

Wenn ich über das Mama-Sein nachdenke, darüber lese und rede, fällt mir auf, dass es dabei vor allem um Mythen, Erwartungen und Vorstellungen geht, aber auch um Eindrücke, Erkenntnisse und Einsichten und besonders um Gefühle.

Und während ich diesen Beitrag schreibe und darüber nachdenke wie es für mich als Mama in den ersten Monaten des Mama-Seins war, kommt mir immer wieder das Bild eines Schafs in den Sinn. Manchmal kam ich mir vor wie ein MÄÄÄÄÄH – eines der momentanen Lieblingswörter des Minis – nur ohne die dazugehörige Herde. Ein Mutterschaf ohne Herde. Das klingt komisch und das ist es auch. Ich versuche, es zu erläutern…

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Überzogene Erwartungen…

oder wieso ich mich hin und wieder wie ein Schaf fühle

Überzogene Erwartungen an eine Mama werden durch andere suggeriert. Genauso kritisch aber schätze ich die Erwartungen ein, die ich selbst als Mama an mich stelle. Die schlauen Menschen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung fassen in ihrer Handreichung: Eltern sein – die erste Zeit zu dritt die Ideale an eine junge Mutter so zusammen:

Die “ideale Mutter”:

  • passt drei Wochen nach der Entbindung wieder in ihre alten Jeans,
  • ist dann auch wieder eine hingebungsvolle und einfallsreiche Geliebte,
  • stillt ebenso hingebungsvoll ihr Kind, dem sie rund um die Uhr zur Verfügung steht,
  • ist in einer Zeit großer Abhängigkeit eine völlig unabhängige Frau,
  • sieht aus wie das blühende Leben, weil sie superglücklich und zufrieden ist,
  • kriegt auch “das bisschen Haushalt” mit links erledigt,
  • macht intuitiv immer alles richtig (wegen des Mutterinstinktes),
  • ist weiterhin eine tatkräftige, geistreiche und einfühlsame Gefährtin,
  • hält guten Kontakt zu all ihren Freundinnen.

Und ja, in einigen Punkten fühle ich mich ertappt. Einige dieser Erwartungen und Ansprüche an mich selbst teile oder besser teilte ich. Aber anstatt meine Bedenken ehrlich zu äußern und mich mit anderen jungen Mamas, denen es ähnlich geht, zusammen zu tun, ärgere ich mich darüber, dass ich so hohe Erwartungen an mich selbst stelle, die ich gar nicht erfüllen kann und auch nicht erfüllen möchte. Ich fühle mich dann wie ein Mutter-Schaf ohne Herde. Also ohne Verbündete, die vielleicht in einer ähnlichen Situation sind und mit denen ich meinen Gemütszustand teilen kann… mäh.

Mutter Mythos

Es gibt viele Mythen ums Mama-Sein und auch um das große Mutter-Glück wird viel debattiert. Ich bin der Meinung, dass man als junge Mama am allerbesten versucht, sich von all den Erwartungen, Tipps und Ansprüchen frei zu machen. Hört Euch keine Ratschläge von erfahrenen Schwiegermüttern, keine kritischen Nachfragen von kinderlosen Freunden, keine Tipps von Kollegen an, denn als junge Mama musst du gar nichts. Du musst dich “nur” um das Kleine, um dich und um deine kleine Familie kümmern und das ist manchmal gar nicht so einfach.

Mini, Mini, Mini

Sich voll und ganz auf das Kind einzulassen, sich darum zu kümmern, es mit allem zu versorgen, es zu trösten und einfach nur für das Kleine da zu sein, das kann unheimlich schön und zugleich unheimlich anstregend sein. Auf jeden Fall ist es ein anspruchsvoller Job, denn die Verantwortung ist da und das manchmal 24 Stunden lang an 7 Tagen in der Woche. Die Pausenzeiten sind begrenzt und der Urlaubsanspruch greift oft erst nach der Probezeit, also nicht in den ersten 6 Monaten. Es gibt Kaugummi-Tagen, emotionale Auf und Abs, lauter komische Szenen und so verdammt viel Nähe und Liebe.

Immer was Neues

Und wenn du das Gefühl hast, du hast den Dreh raus. Du hast gerade angefangen, das Mama-Sein und das Familien-Gedöns – von dem ich hier noch gar nicht geschrieben habe – zu verstehen, du hast das Gleichgewicht gefunden, die Beziehung gestaltet, dann verändert sich wieder etwas Grundlegendes beim Mini und du versuchst dich aufs Neue, darauf einzulassen, gelassen und geduldig zu bleiben… Das klappt manchmal nicht und manchmal gelingt es dir. Es fühlt sich dann leicht und richtig an und du strahlst und fühlst dich voller Liebe!

Photo by MCML ➖XXXIII (steal my _ _ art) on Unsplash

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