Weihnachtszeit ist Wünsche-Zeit. Wenn ich gefragt werde, was ich mir wünsche, tue ich mich mit der Antwort schwer. Na klar, über ein gutes Buch freue ich mich immer. Und die neue Platte von Annenmaykantereit hätte ich auch sehr gerne. Und dass ich mir diese Sachen wünschen und leisten kann und sie mir auch selbst kaufen könnte, das ist ein großes Privileg, dessen ich mir bewusst bin. Andere Wünsche sind da schwieriger zu erfüllen. Dass es meinen Lieben und mir gut geht und uns kein Unglück widerfährt. Dass wir ein gesundes und freies Leben leben können und dass es möglichst allen Menschen so geht. Und dann wäre da noch mein dringender Wunsch nach weniger Arschlöchern auf der Welt. Und natürlich viel mehr Amore, Amore, Amore!

Aber einen ganz eigenen Wunsch habe ich tatsächlich und ich hoffe, dass er eines Tages wahr wird.

Mein Wunsch vom Nordlicht

Ich wünsche mir, Nordlichter zu sehen. Schon der Name Nordlicht weckt Sehnsucht in mir. Ich weiß es klingt sehr kitschig, aber ich freue mich über jeden verfärbten Himmel. Ist der Himmel strahlend blau, ziehen dunkle und dramatische Wolken auf, verfärbt er sich in der Dämmerung rosa-rot, ich bin entzückt. Noch schlimmer ist es bei einem Sonnenauf- oder einem Sonnenuntergang um mich gestellt. Einmal habe ich einen Sonnenaufgang auf einem Berg erlebt und einen Sonnenuntergang am Grand Canyon. Um dies zu beschreiben, fehlen mir die Worte. Wildromantisch würde Anna wahrscheinlich dazu sagen ♥

Wunsch und Wirklichkeit

Den Wunsch Nordlichter zu sehen, habe ich schon länger. Aurora borealis ist der wissenschaftliche Begriff für das Polarlicht auf der Nordhalbkugel. Der Begriff sagt mir genauso wenig, wie das physikalische Phänomen, das dieses Lichtspiel zur Folge hat. Teile des Sonnenwindes werden von dem Magnetfeld der Erde eingefangen und zu den Polen abgelenkt. Sie Stoßen mit Luftteilchen zusammen und bringen diese zum Leuchten. Und genau diese Vorstellung bringt mich wiederum zum Leuchten. Der Himmel scheint dadurch in den verschiedensten Farben zu glühen, in Form eines Schleiers, Bogens oder als Strahlen und Flecken, die sich verändern und ganz unterschiedlich gefärbt sind.

Zu sehen sind die Nordlichter zum Beispiel in Norwegen und Island. Island wäre wohl die richtige Wahl für mich. Wie ich gehört habe, glauben über die Hälfte der Isländer*innen an Feen. Ich finde das sehr sympathisch. Da geht die Romantikerin mit mir durch. Und ich stelle mir das Warten auf die Nordlichter absolut idyllisch vor, irgendwo in einem kleinen Zelt mit Freunden und einem warmen Getränk. Und doch weiß ich, dass Reisezeiten im Februar und März empfohlen werden, es könnte also verdammt kalt werden. Und die Reisedauer sollte nicht zu knapp bemessen sein, es ist also Geduld gefragt. Geduldig in der Kälte warten, das ist nicht unbedingt meine Stärke. Und vielleicht klappt es auch gar nicht. Aber man wird jawohl nochmal träumen dürfen, oder nicht?!

Und was wünschst du dir?

Würde man die Psychologin und Philosophin Brigitte Boothe fragen, ob es vermessen oder egoistisch ist, Wünsche zu haben, würde sie klar verneinen. Sie nennt den Wunsch einen Segen für Geist und Herz. 

“Wünsche sind eine Leistung der Fantasie.
Die Wunschvorstellung zeigt, welches meine Vorlieben und Neigungen sind, wie die Welt eingerichtet sein sollte, wenn sie nach meinem Geschmack genießbar wäre. Die Wunschvorstellung verbessert das Befinden und entlastet vom Handeln. Wünschen ist nützlich, weil es hilft, negative Spannung und Mangel zu ertragen“ so Boothe.

Es geht bei Wünschen also genau um den Kontrast zwischen der Realität und dem Erwünschten und diesen Kontrast zu ertragen. Durch das Wünschen geraten wir nicht in einen Zustand von Spannung und Unwohlsein, sondern Wünschen ist ein “überaus gesunder Zustand passiver Zufriedenheit” so Boothe.

Auch dieser Gedanke ist mir sehr sympathisch und stimmt mich passiv zufrieden. Und was wünschst du dir?

Quelle: http://www.studiomonaco.de/wordpress3/wp-content/uploads/2015/05/Von-Herzen-und-W%C3%BCnschen-Auszug.pdf

Share: