Freundinnen

Leben, Liebe, Katastrophen: Alles ist besser mit Freunden. Photo by Clarisse Meyer on Unsplash unsplash-logoClarisse Meyer

Ihr seid immer da. Und einige von Euch schon sehr lange.

Komplizen im Kampf gegen das Erwachsenwerden

Die erste warst Du, meine Sandkastenfreundin und Komplizin im Kampf gegen das Erwachsenwerden, auch wenn Pippi Langstrumpfs Krumulus-Pillen leider nicht gewirkt haben. Noch vor dem Kindergarten haben wir uns gefunden – und bis heute nicht verloren. Unser Reich war unser Viertel am Rande des Dorfes. Im Schatten des Kraftwerks erfanden wir unsere Welt, in der es natürlich Indianer, Prinzessinnen und Piraten gab.

Wir verschönerten die Häuser in unserer Nachbarschaft mit Kreide, sahen uns als große Künstler und haben nicht verstanden, warum die Nachbarn das anders sahen. Fast jeden Tag haben wir uns gesehen,  nur einmal gab es eine kurze Funkstille: Unser einziger Streit entbrannte darüber, ob Heidi nun „in echt“ auf den Wolken laufen kann, wie im Zeichentrickfilm, oder nicht. Leider hatte ich recht, obwohl mir deine Argumentation heute besser gefällt. Du bist von der Schaukel gesprungen und weggelaufen vor Zorn über meine Engstirnigkeit. Doch nach ein paar Tagen warst Du es, die wieder vor mir stand, als wäre nichts gewesen.

Verbündete, mit denen sich die Pubertät und das Wettschwimmen ertragen ließen

Dann kam der Ernst des Lebens, der sich überhaupt nicht so schlimm anfühlte, weil ich Euch dort kennenlernte: Echte Verbündete, mit denen sich die Schule, die Pubertät, das Leben an sich, ertragen ließ: In der fünften Klasse haben wir eine Band gegründet, die leider nie aufgetreten ist. Dafür sind die Bandmitglieder bis heute noch befreundet.

Ich bin mit Euch das erste Mal geflogen – auf Sprachreise nach England. Ich war 14 und hatte große Angst, die nur kleiner wurde, weil ihr neben mir saßt. Ihr habt auf mich gewartet beim Wettschwimmen, damit wir gleichzeitig im Ziel ankommen und ich, die lausige Schwimmerin, keine schlechte Note in Sport bekomme. Auf meinem ersten Rockkonzert war ich mit rot gefärbten Haaren, Zahnspange und natürlich mit Euch. Wir haben zusammen die ersten Zigaretten geraucht und gemeinsam beschlossen, dass uns das echt nicht schmeckt, obwohl das damals noch cool war. Dann das Abtauchen mit der ersten Liebe, auch das habt ihr verziehen. Die Liebschaften, die kamen und gingen, aber ihr, ihr seid geblieben.

Flüchtige und feste Freunde während der großen Freiheit

Die Freiheit nach dem Abi, das Studieren hier und im Ausland, brachte neue Freunde, viele flüchtige, aber auch feste. Wir haben nicht nur eine Wohnung geteilt, sondern auch den Prüfungsstress, den Liebeskummer, den Weltschmerz. Unsere WG war keine Zweckgemeinschaft, die großen Fragen des Lebens, sie wurden in unserer Küche diskutiert, donnerstagsnachts um halb drei nach der dritten Studentenparty in dieser Woche. Ladys Night, eine Flasche Sekt für zwei Euro. Manchmal wünschen wir uns heute in diese Zeit zurück, aber meistens nicht.

Auch als Erwachsener trifft man noch Gefährten fürs Leben

Auch nach der Uni, als es darum ging, langsam seriös zu werden, habe ich noch Gefährten fürs Leben getroffen: Ihr habt für  mich eine Reise nach Mexiko geplant, weil ich da immer hin wollte und seid mit mir quer durch dieses schöne Land gefahren. Ihr habt für mich in Köln Wasser aus dem Rhein geschöpft, um mein neues zu Hause fernab der Heimat damit zu taufen. Ihr habt mit mir dieses frida-verrückte Blog gegründet, in dem wir tun und lassen können, was wir wollen.

Euch allen gemein ist, dass meine Sorgen mit Euch weniger werden und die Freuden größer. Euch allen sage ich: Danke.

Alles hat sich verändert – nur eines nicht

Heute sind viele von Euch verheiratet, ihr habt Kinder und wohnt in Häusern oder Eigentumswohnungen. Alles hat sich verändert. Nur eines nicht: Wir sind immer noch Freunde.

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