…oder warum ich mir trotzdem die Fußball-WM anschaue.

Running Girl

Vergangenen Sonntag war es wieder so weit, auf einmal war ich zu Tränen gerührt. Auslöser für meinen emotionalen Moment, war eine Laufveranstaltung. Ja genau, eine Laufveranstaltung.

Um 11 Uhr starteten die jüngsten Sportlerinnen mit einem 500 Meter Lauf durch die Stadt, genauer eine Runde ums Rathaus. Das lief bei einigen wirklich gut, andere brauchten etwas Unterstützung durch ihre Eltern und wieder andere wirkten so, als seien sie mit der Gesamtsituation – bestehend aus merkwürdigen Zuschauern, lauthals anfeuernden Eltern und vorbei rennenden Kindern – einfach überfordert.

Happy Girl

Die Szene, die mir eine Träne ins Auge drückte, spielte sich so ab. Ein Mädchen, ich schätze sie auf fünf Jahre, hatte gerade ihren Lauf absolviert. Ich weiß nicht, ob sie besonders gut abgeschnitten hat oder einfach froh war, es geschafft zu haben. Auf jeden Fall strahlte sie über das ganze Gesicht und wirkte so richtig zufrieden. Neben mir standen ihre Großeltern, die ihr zuvor beim Laufen zugejubelt haben. Das Mädchen entdeckte ihre Oma und ihren Opa, rannte zu Ihnen und fiel Ihnen um den Hals. Die drei teilten ihr Glück. Das Glück, genau das zusammen erlebt zu haben. Das Glück, ausgelöst durch einen kleinen großen Lauf.

(Un) Happy People

Und auch wenn nicht alle Läufer*innen einen so glücklichen Augenblick erleben durften, war es für alle nicht nur eine körperliche, sondern bestimmt auch eine emotionale, eine echte Erfahrung. Eine persönliche und eine gemeinschaftliche Sache.

Sharp View

So oder so ähnlich wird es sich hin und wieder auch bei der Fußball-Weltmeisterschaft abspielen. Dazu muss man nur sehr sehr vieles ausblenden und versuchen, den Blick für den puren Sport zu schärfen, wenn man das denn kann und möchte. Allzu sehr ist man von dem Spektakel rund um das mediale und wirtschaftliche Mega-Event geblendet oder einfach nur genervt

Spectacle

Kritik ist angebracht,  vor allem hinsichtlich der prekären Menschenrechtslage in Russland, auch rund um die Stadienbauten. Die FIFA setzt wirtschaftliche Interessen durch und vergibt sportliche Großereignisse nicht selten an Länder wie Russland. Kritik ist auch angebracht im Herunterspielen vorhandener Dopingverdachte. Und die Heftigkeit dieser Entwicklungen möchte ich mit diesen knappen Darstellungen nicht verharmlosen.
Dann sind da noch die Berichterstattungen und vielen Kommentare der vielen Fußball-Experten, auf die man so oft verzichten möchte. Genauso wie sexistische Beiträge zu den attraktivsten Spielerfrauen und vieles vieles mehr.

Charming Football

Wer aber all das für einen Moment ausblenden kann und will, dem wird sich hin und wieder der Charme rund um den Fußball offenbaren. Da gibt es spannende Zweikämpfe, artistische Sonntagsschüsse, astreine Glanzparaden, mutige Flugeinlagen, einfache Fehler und lustige bis traurige Missgeschicke, glückliche Gewinner, erschöpfte Verlierer, tröstende Männer, tanzende Kinder, springende Frauen, strahlende Alte und bestimmt auch wieder feuchte Augen.

Share: