Frida Kahlo, die mexikanische Malerin mit dem starken Ausdruck, ist beliebter denn je. Nicht nur weil viele Menschen sie bewundern, sondern auch weil viele sich in ihrem Leben wiederfinden können. Schließlich ähneln wir ihr alle in der ein oder anderen Weise: Sie stammte aus der deutschen Provinz

Wer Frida Kahlo sucht, der muss nicht zwangsläufig nach Mexiko reisen. Ihr Vater Wilhelm Kahlo wurde nämlich 1871 in Pforzheim geboren und ist in Baden-Baden aufgewachsen. (Derzeit ist dort übrigens im Kunstmuseum „Gehrke-Remund“ die Frida-Ausstellung „Ich male keine Träume“ zu sehen.) Erst im Jahr 1890 wanderte Wilhelm Kahlo nach Mexiko aus. Frida stammt also aus einer deutschen Kleinstadt  – wie so viele von uns.

Sie kämpfte mit ihrem Körper

Viele Frauen hadern mit ihrem Körper. Bei Frida war das nicht anders. Allerdings hatte sie zudem mit mehreren Beeinträchtigungen zu kämpfen: Im Alter von sechs Jahren erkrankte sie an Kinderlähmung, wodurch ihr rechtes Bein dünner und schwächer blieb. Als 18-Jährige wurde sie Opfer eines schweren Unfalls: Ein Bus wird von einer Trambahn gerammt und Frida von einer Metallstange durchbohrt. Frida überlebt, aber sie muss monatelang in einem Gipskorsett im Bett liegen und wird sich von dem Unfall nie ganz erholen.

Aus Schmerzen schöpfte sie Kraft

Frida, die nach dem Unfall ans Bett gefesselt ist und unter großen Schmerzen leidet, beginnt zu malen. Aus den Qualen schöpft sie Kraft und gilt auch deshalb häufig als  „Malerin des Schmerzes“. Der Schmerz wird zum zentralen Motiv ihrer Bilder. So zeichnet sie sich mit einem Dornenhalsband, von Nägeln durchbohrt, mit einer Metallstange im Körper. 39 Operationen lässt sie im Laufe ihres Lebens über sich ergehen, schließlich sitzt sie im Rollstuhl, ein Bein wird ihr amputiert. Im Alter von 47 Jahren stirbt sie schließlich an einer Lungenembolie, manche mutmaßen, sie habe sich selbst umgebracht. Doch ihr Werk, die Verarbeitung ihrer physischen und seelischen Wunden, ist unsterblich. Zeit ihres Lebens malt sie gegen die Schmerzen an, sie soll einmal gesagt haben: „Wozu brauche ich Füße, wenn ich Flügel zum Fliegen habe?“

Sie war (un-)glücklich verliebt

Die Liebe ihres Lebens verursachte gleichzeitig das Leid ihres Lebens. So soll Frida einmal gesagt haben: „Ich habe in meinem Leben zwei schwere Unfälle erlebt. Bei dem einen hat mich ein Bus zu Boden gerissen…. Der andere Unfall war Diego.“ Mit 22 Jahren heiratet Frida den zwanzig Jahre älteren Diego Rivera – zum damaligen Zeitpunkt der berühmteste Maler Mexikos. Doch so sehr ihre künstlerischen Karrieren sich gegenseitig befruchten – so destruktiv ist diese große Liebe auch.  Frida leidet sehr unter den Seitensprüngen des notorischen Fremdgängers. Als Diego schließlich eine Affäre mit ihrer Schwester Cristina hat, lässt Frida sich 1939 scheiden – um ihn ein Jahr später erneut zu heiraten. Allerdings emanzipiert sie sich von da an zunehmend von Diego; Frida hat selbst etliche Affären, sowohl mit Männern als auch mit Frauen, und wird zudem als Malerin immer erfolgreicher. Diego schreibt nach Fridas Tod: „Zu spät erkannte ich, dass die Liebe zu ihr der wunderbarste Teil meines Lebens gewesen war.”

Sie behauptet sich im Job

Zu Beginn ihrer Karriere steht Frida noch im Schatten ihres weltberühmten Mannes. Meist ist sie „die Frau von Diego Rivera“. Doch das änderte sich zusehends, bis sie ihn in der weltweiten Anerkennung schließlich überflügelte. Schon 1933 antwortet sie in einem Interview mit den Detroit News: „Nein, ich habe nicht bei Diego studiert. Ich habe überhaupt bei niemandem studiert. Ich habe ganz einfach angefangen zu malen. Natürlich macht der kleine Junge seine Sache recht gut, aber die wirklich große Künstlerin bin doch ich.” Als sie 1939 in Paris ausstellt, schreibt selbst Picasso an Rivera: „Weder Derain, noch ich oder Du sind in der Lage, einen Kopf so zu malen wie Frida Kahlo.” Rivera selbst sah das ähnlich: „Wir sind alle bloß Lehmklumpen im Vergleich zu ihr. Sie ist die größte Malerin dieser Epoche.” Ihre Rollen haben sich vertauscht,  sie ist schließlich der Star der Kunstszene, während Rivera heute meist nur erwähnt wird als „der Mann von Frida Kahlo“.

Sie war eine Rebellin

Wenn jemand als Rebellin bezeichnet werden kann, dann Frida. Ihr Geburtsjahr (eigentlich 1907) verlegt sie in das Jahr 1910, in dem die Mexikanische Revolution begann, um sich als „Kind der Revolution“ zu stilisieren. Sie trägt vorwiegend mexikanische Tracht und indigenen Schmuck, ums sich mit den Zielen der Revolution zu solidarisieren. Später hat sie eine Liaison mit dem russischen Revolutionär Leo Trotzki. Ihr Blaues Haus, das Casa Azul, in Coyoacán, einem Stadtteil Mexiko-Stadts, diente als Zufluchtsort für vor dem Faschismus geflohene Europäer. Schon im Rollstuhl sitzend protestiert sie schließlich gegen den Einmarsch der USA in Guatemala.

Sie war Feministin

Fridas Spiel mit den Geschlechterklischees, die Art, wie sie ihre Schwäche zu ihrer Stärke machte, ihr Nonkonformismus – all dies ließ die mexikanische Malerin zu einem Idol der Frauenbewegung und auch des heutigen Netzfeminismus werden. Als junges Mädchen spielt Frida Fußball, sie trägt Anzüge und wird Teil der Jungen-Clique ihrer Schule, den Cachuchas, auch auf ihren Bildern stellt sie sich mitunter als Mann dar. Ihre Werke thematisieren Tabuthemen wie die weibliche Sexualität und die Qualen der Geburt. Ihre Mutter litt am Kindbettfieber, was die Malerin dazu veranlasste ihre eigene Geburt zu malen: Auf dem Bild gebiert eine Tote die kleine Frida.

Ihr Kinderwunsch blieb unerfüllt

Wie viele Paare ungewollt kinderlos bleiben, weiß niemand so genau. Auch weil dieses Thema nach wie vor ein Tabu ist. Frida Kahlo wollte immer Mutter werden, doch durch die Auswirkungen ihres Unfalls blieb ihr dieser große Wunsch verwehrt. Sie erleidet mehrere Fehlgeburten und medizinisch notwendige Abtreibungen. Als Analogie zu ihrem eigenen Schicksal zeichnet sie häufig die aztekische Fruchtbarkeitsgöttin – allerdings verletzt, mit amputierten Füßen.

Sie war – trotz allem –  lebensfroh

Auch wenn Frida Kahlo häufig als „Schmerzensfrau“ dargestellt wird, sie war trotz allem ein lebensfroher Mensch. Sie liebte es, auszugehen, zu tanzen und in Gesellschaft zu sein. „Nichts ist fürs Leben wichtiger als das Lachen“, findet Frida. „Lachen bedeutet Stärke, Selbstvergessenheit und Leichtigkeit. Tragödien sind dagegen albern.” Auf einem ihrer Bilder, einem Stillleben mit Wassermelonen, heißt es: „Viva la vida“. Es lebe, das Leben. Es lebe, Frida.

Quellen:

Hayden Herrera: Frida Kahlo. Ein leidenschaftliches Leben. Fischer Taschenbuch Verlag, 2015.

Ausstellung: Frida Kahlo  Teil 1: Viva la Vida, Kunstmuseum Gehrke-Remund, Baden-Baden

Embajada Alemana Ciudad de México sobre „Guillermo Kahlo“

„Frida Kahlo y sus trágicos accidentes que no conocías“, Vanguaradia México, 16.6.2016

„Frida Kahlo und Diego Rivera: Physische und psychische Wunden“, Art Magazin, 29.4.2010, von Adrienne Braun

„Malerin: Die andere Frida Kahlo“ erschienen in Emma, Beitrag vom 1.Mai 1993, unter Mitarbeit von Barbara Krause

(Alle Zugriff: 28.12.17)

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