Foto: Monoar/Pixabay

Es ist der 24.10.2018, in etwas mehr als acht Wochen ist Heiligabend und ich komme nicht damit klar. Vorgestern war doch noch Sommer, oder? Gab es nicht vor kurzem noch Spargel und Erdbeeren? Ostern ist auch noch nicht so lange her. Ich kann es einfach nicht fassen, dass 2018 schon auf der Zielgeraden ist. In welchem schwarzen Loch sind all die Tage zwischen meinem letzten Silvesterkater und dem aktuellen Herbst-Blues verschwunden?

Die Zeit ist immer schneller als ich

Die Zeit und ich, wir sind uns nicht ganz geheuer. Ich habe das Gefühl, ihr seit meiner Geburt hinterherzulaufen. Sie ist einfach schneller als ich. Und je älter ich werde, desto schneller wird sie, und desto langsamer werde ich. Ich komme da einfach nicht mehr hinterher.

Es ist wie in dieser Fabel vom Hase und dem Igel, der immer „Ich bin schon da“ ruft, während der Hase sich abhetzt. Der Igel, also die Zeit, überlistet mich. Da bin ich sicher.

„Unglaublich, wie die Zeit vergeht!“

Zu den Kindern meiner Freunde sage ich jetzt auch schon so Sachen wie: „Du bist aber groß geworden! Unglaublich, wie die Zeit vergeht!“, und genau wie ich früher denken sie wahrscheinlich: „Die alte Tante sagt immer dasselbe, wenn sie mich sieht.“

Hach ja, ich habe das fortgeschrittene Datum zum Anlass genommen, noch einmal einen Blick auf meine schönen Vorsätze von Anfang des Jahres zu werfen. Nein, nicht so ein Mist wie „drei Kilo abnehmen“, sondern: so was wie „wieder mal Gitarre spielen“ steht da zum Beispiel. Was soll ich sagen? Ich habe das dieses Jahr genau kein Mal geschafft. Ich hatte ja keine Zeit. Stichwort: Schwarzes Loch usw.

Ich selbst raube mir die Zeit

Aber wenn ich ehrlich bin, ist das natürlich eine sehr gute Ausrede dafür, dass ich selbst mir die Zeit raube. Die schönen Dinge, die fallen irgendwie immer hinten runter. In eine ferne Zukunft, in der ich mal Zeit dafür habe. Nur wird die niemals eintreten. Denn dann gibt es doch wieder Wichtigeres. Vermeintlich Dringlicheres: den Müll rauszubringen, die nächste Deadline für einen Text einzuhalten, die Steuererklärung zu machen.

Doch eigentlich liegt es doch nur an mir, wieder Herrin über meine Zeit zu werden. Alle Mülleimer, Deadlines und Steuererklärungen links liegen zu lassen und mal wieder Gitarre zu spielen. Oder mal wieder ein Nacht durchzufeiern. Oder mal wieder einen ganzen Tag rumzuliegen und zu lesen.

„Alles ist jetzt“

Das wurde mir noch klarer, als ich kürzlich Bosses neues Lied „Alles ist jetzt“,  im Radio gehört habe, in dem er singt: „Und alles ist jetzt/ Es ist alles, alles jetzt/ Das Leben ist kurz“. Und dann: „Und was du träumst, das musst du machen/All die besten, super Sachen/ Alle machen, alle machen.“

Bosse hat mal wieder so was von recht. Ich mache das alles. Nicht nächste Woche, nicht morgen, sondern heute. Genau jetzt.

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